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«Zimmerberg-Basistunnel 2 und Durchgangsbahnhof sind notwendige Grossprojekte»

Für ein zukunftsfähiges Bahnangebot sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr braucht es den Zimmerberg-Basistunnel 2 und den Durchgangsbahnhof Luzern. Das belegt der Korridorrahmenplan Zentralschweiz, den SBB-Infrastrukturplaner Christoph Fessler mitverfasst hat. Im Interview erklärt er, weshalb die beiden Grossprojekte auch aus Sicht der SBB unabdingbar sind, um die Schienenmobilität fit für die Zukunft zu machen.

Herr Fessler, Sie sind einer der Autoren des Korridorrahmenplans Zentralschweiz, den die SBB im Auftrag des Bundesamts für Verkehr erarbeitet hat. Welche Bedeutung hat der Korridorrahmenplan für die Weiterentwicklung des nationalen und regionalen Schienennetzes?
Der Korridorrahmenplan Zentralschweiz ist der Leuchtturm für die Eisenbahninfrastruktur in der Zentralschweiz. Mit Rahmenplänen schauen der Bund und die SBB in die Zukunft und legen fest, welche Anlagen es auf den Strecken und in den Bahnhöfen über das Jahr 2050 hinaus braucht. Der Korridorrahmenplan Zentralschweiz geht also beispielsweise der Frage nach, wie wir den Bahnhof Luzern ausbauen sollen und wie viele Gleise wir zwischen Zug und Zürich benötigen. Die Rahmenpläne stellen sicher, dass zukünftige Projekte mit späteren Ausbauphasen kompatibel sind und Fehlinvestitionen verhindert werden. Ausserdem dienen die Rahmenpläne als Grundlage für die Flächensicherung in der öffentlichen Raumplanung.

Laut Korridorrahmenplan braucht es den Zimmerberg-Basistunnel 2 und den Durchgangsbahnhof Luzern, um das Bahnangebot fit für die Zukunft zu machen. Weshalb?
Bereits heute sind die Strecke Zürich–Zug und der Bahnhof Luzern stark ausgelastet. Um das Angebot im Personen- und Güterverkehr weiter zu verbessern, müssen wir zwingend die entsprechende Bahninfrastruktur ausbauen. Der Zimmerberg-Basistunnel 2 und der Durchgangsbahnhof Luzern sind die dafür notwendigen Grossprojekte.

Der Zimmerberg-Basistunnel 2 schliesst nördlich von Thalwil an den bestehenden Basistunnel 1 an und führt bis nach Litti nördlich von Baar. Er behebt das einspurige Nadelöhr zwischen Litti und Horgen Oberdorf und den Engpass im Knoten Thalwil und verkürzt die Fahrzeit. Vor allem zwischen Zürich und Zug wird sich das Bahnangebot markant verbessern. Heute haben die meisten Reisenden faktisch nur einen Halbstundentakt. Mit dem Zimmerberg-Basistunnel 2, der bis 2035 realisiert werden soll, werden zwischen Zug und Zürich bis zu acht Züge pro Stunde verkehren.

In Luzern beseitigt der Durchgangsbahnhof die Kapazitätsengpässe der Perronanlagen im Bahnhof Luzern, des Vorbahnhofs, der Bahnhof-Einfahrt und der einspurigen Strecke am Rotsee. Im Bahnhof selbst haben die Reisenden künftig mehr Platz –in der Querhalle wird es ja schon heute manchmal eng. Mit dem Durchgangsbahnhof können zahlreiche Linien im Fern- und Regionalverkehr zu Durchmesserlinien verknüpft werden. Die Verbindungen verdichten und beschleunigen sich, die Reisenden müssen weniger umsteigen und die SBB spart Betriebskosten.

Wo stehen die beiden Projekte zurzeit? Welches sind die nächsten Schritte?
Für beide Projekte erstellt die SBB im Auftrag des Bundesamts für Verkehr bis Mitte 2020 bzw. Ende 2022 Studien bzw. Vorprojekte. Damit stellen wir sicher, dass wir mit dem Bau rasch beginnen können, sobald dessen Finanzierung beschlossen ist. Letztere ist Sache des Bundes. Das Parlament entscheidet voraussichtlich 2019, ob die beiden Projekte im nächsten Ausbauschritt der Bahninfrastruktur enthalten sind und bis 2035 gebaut werden. Für den Zimmerberg-Basistunnel 2 sieht es gut aus, aber die Realisierung des Durchgangsbahnhofs hat in diesem Ausbauschritt wahrscheinlich keinen Platz, weil schweizweit noch dringendere Engpässe bestehen – zum Beispiel zwischen Genf und Lausanne oder zwischen Zürich und Winterthur.

Über Christoph Fessler
Christoph Fessler ist Infrastrukturplaner bei SBB Infrastruktur in Olten. Er ist seit 2007 für die SBB tätig und hat in den letzten Jahren zahlreiche langfristige Planungsarbeiten wie den Rahmenplan Luzern, die Testplanung Zugersee und den Korridorrahmenplan Zentralschweiz erarbeitet. Aktuell ist er Gesamtstudienleiter für den Zimmerberg-Basistunnel 2 und den Durchgangsbahnhof Luzern und engagiert sich als Experte schweizweit im Bereich Netzentwicklung. Fessler hat in Rapperswil Raumplanung studiert. Er ist Vater zweier kleiner Kinder und lebt mit seiner Familie in Horw.