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«Der Durchgangsbahnhof und der Zimmerberg-Basistunnel 2 sind für die Zentralschweiz von grösster Bedeutung»

Gute Erreichbarkeit und eine funktionierende Mobilität sind zentral für den Wirtschaftsstandort Zentralschweiz, sagt Andreas Ruch, CEO der Ruch AG in Altdorf und Präsident der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz im Interview. Da die Realisierung von Grossprojekten wie der Durchgangsbahnhof Luzern und der Zimmerberg-Basistunnel 2 Jahre bis Jahrzehnte dauern könne, sei es elementar, dass der Bund sich nun zu einer zügigen Weiterführung bekennt und die Zentralschweiz konkrete Zusagen über Zeitplan und Finanzierung erhält.

Herr Ruch, Sie sind Inhaber und CEO der Ruch AG in Altdorf. Welche Bedeutung hat ein gut funktionierender öffentlicher Verkehr für die Wirtschaft?
Der Verkehr im Allgemeinen, oder noch besser eine gute Erreichbarkeit, ist für die Wirtschaft von grösster Bedeutung. Das gilt einerseits für grosse, exportorientierte Unternehmen, damit deren Zugang zu ausländischen Märkten auch aus logistischen Standpunkten sichergestellt ist. Dies gilt andererseits aber ebenso im KMU-gewerblichen Bereich. Schnell zum Kunden zu gelangen, schnell in die Stadtzentren zu kommen (und auch wieder schnell hinaus), all dies ist ein entscheidender Standortfaktor. Und natürlich spielen da öffentlicher und privater Verkehr zusammen. Mir missfällt die politische Diskussion, die oft auf «entweder-oder» aus ist und die beiden Verkehrsformen gegeneinander ausspielen will. Abschliessend würde ich sagen, dass die gute Erreichbarkeit neben der Bildung und Verfügbarkeit von Fachkräften und den steuerlichen Rahmenbedingungen die wichtigste Komponente für einen starken Wirtschaftsstandort ist.

Sie sind zudem Präsident der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz. Was hat die Zentralschweizer Wirtschaft vom Durchgangsbahnhof Luzern und vom Zimmerberg-Basistunnel 2?
Anschliessend an das oben Gesagte ist klar, dass insbesondere der Durchgangsbahnhof Luzern, und dadurch natürlich auch der Zimmerberg-Basistunnel 2 als Grundlage, für die gesamte Zentralschweiz von grösster Bedeutung sind. Wir müssen nicht nur an die heutigen Bedürfnisse denken. Solche Grossprojekte dauern Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, wenn man Planung und Umsetzung in Betracht zieht. Wie sieht die Zentralschweiz in 30 Jahren aus? Was werden die Gesellschaft und die Wirtschaft dann brauchen? Es ist klar, dass das Bedürfnis nach Mobilität weiter wachsen wird und wir schon heute planen müssen, welche Infrastruktur wir brauchen werden, um diese Bedürfnisse zu befriedigen. Auch wenn man von selbstfahrenden Autos und Lufttaxis träumt: eine gute Infrastruktur wird es immer brauchen. Und auch hier wieder: wir brauchen diese Infrastruktur für den öffentlichen UND den privaten Verkehr, für die Strasse und die Bahn. Die Augen schliessen und Verhinderungspolitik zu betreiben, reicht hier nicht mehr.

Als nächstes berät das Bundesparlament über den Bahnausbauschritt 2035 und damit auch darüber, wie es mit den beiden Projekten weitergeht. Welche Erwartungen haben Sie an die Politik?
Ich teile die Erwartungen, welche die gesamte Zentralschweiz, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft zusammen, an die Politiker in Bern haben: Dass es zügig weitergeht und dass wir konkrete Zusagen über Zeitplan und Finanzierung erhalten. Zusätzlich erwarten wir von der lokalen Politik, dass sie die Grundlagen schafft, dass der Durchgangsbahnhof dann auch wirklich gebaut werden kann. Ich beziehe mich hier nicht nur auf ein effizientes Bewilligungsverfahren, welches das Projekt erleichtert. Es gibt gewisse Hausaufgaben, die jetzt gelöst werden müssen, so zum Beispiel das Bahnhofparking in der Stadt Luzern. Hier ist es wichtig, dass der Ersatz schon vor dem Beginn der Bauarbeiten für den Durchgangsbahnhof erstellt wird.

Über Andreas Ruch
Andreas Ruch ist Inhaber der 1910 gegründeten Ruch Gruppe mit Sitz in Altdorf. Die Ruch Gruppe ist Spezialistin für Konstruktionen aus Stahl, Metall, Glas und beschäftigt rund 50 Mitarbeitende. Seit 2017 ist Andreas Ruch Präsident der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz.